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29.05.05 – Kunstprojekt eröffnet: Ottmar Hörl - LANDSCHAFT MIT RABEN

... noch bis September im Schlosspark Bückeburg zu sehen

Tausende von Raben, die sich in großen Schwärmen auf den Grünflächen des Schlossparkes und auf schwimmenden Inseln im Schlossgraben niedergelassen haben … das ist die „Landschaft mit Raben“. Die Veranstaltung „Landpartie Schloss Bückeburg“ am vergangenen Wochenende war auch Start für diese Kunstinstallation, die der Nürnberger Künstler Ottmar Hörl gemeinsam mit Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe „ausgebrütet“ hat. Bis zur Finissage im Rahmen der „Langen Nacht der Kultur“ am 1. Juli – wird dieses für Norddeutschland einmalige Kunstwerk im Bückeburger Schlosspark zu sehen sein. (Inzwischen verlängert bis September)
Ottmar Hörl, Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, möchte mit seiner Kunst möglichst viele Menschen erreichen und in einer „Alltagssituation“ mit Kunst konfrontieren. Deshalb wurde die „Landpartie Schloss Bückeburg“ mit mehr als 35.000 Besuchern zum Auftakt für dieses Projekt gewählt. Kunst im Museum ist aus Prof. Hörls Sicht zwar unverzichtbar, aber „leider auch elitär“. Außerhalb der Kunsttempel kann der Meister serieller Skulpturen durch seine Projekte mit Witz und Charme Anstöße geben und hat dieses mit international Aufsehen erregenden Großprojekten zum Beispiel in Nürnberg, Athen und Berlin erfolgreich getan. – Eine Präsentation und Verkaufsschau wie die Landpartie als Rahmen für solch ein Projekt hat natürlich seine Tücken. Denn die Kunst wurde von vielen Besuchern – zwar wohlwollend, aber eben nur – als ästhetische Staffage der kommerziellen Veranstaltung wahrgenommen.
Deshalb ist es gut, dass nun die Raben uneingeschränkte Herrscher im Schlosspark sind. Im Laufe der nächsten Tage wird die Rabenlandschaft neu arrangiert: die Raben werden auch Teile des Parkes erobern, die durch Stände der Landpartie belegt waren. Besuchern wird sich ein völlig neues Bild zeigen. Und wer sich auf die Ruhe und Atmosphäre der Parklandschaft einlässt, mag ein Stück der Aura erhaschen, die den Rabenvogel umgibt.
Denn die Phantasie anregenden Mythen waren es, die das Duo „Fürst und Künstler“ zu diesem Landschaftsbild zwischen Tradition und Moderne inspiriert haben: In der römischen Mythologie war der Rabe einst weiß wie ein Schwan und galt als Bote des Sonnenkönigs Apollo. Eines Tages aber erzählte ein Rabe, dass Coronis, eine thessalinische Nymphe, welche Apollo leidenschaftlich liebte, nicht treu sei. Darauf erschoss dieser die Nymphe mit einem Pfeil. Aber er hasste den Boten so sehr, dass er sein Gefieder schwarz wie Kohle werden ließ.
Für die Indianer der nordwestamerikanischen Pazifikküste ist der Rabe Weltschöpfer: Er hängte Sonne, Mond und die Sterne an das Firmament, er füllte das Meer mit Fischen, setzte Lachse in die Flüsse, alles Wild und alles Essbare ins Land. Der Rabe wies den Flüssen, Seen, Bergen und Pflanzen den richtigen Ort. Er bevölkerte die Erde mit Menschen und gab ihnen Feuer.
Ottmar Hörls Installations-Titel lässt an ein historisches Landschaftbild denken, das ein feudalistisischer Landesherr in Auftrag gegeben haben mag, und es erinnert an Werke wie „Schneehügel mit Raben“ (Caspar David Friedrich) oder „Getreidefeld mit Raben“ (Vincent van Gogh). „Landschaft mit Raben“ ist eine zeitgemäße Umsetzung für die mythologische wie historische Bedeutung der Raben. Sie sind nicht mehr Unglücksboten, sondern begleiten den Parkbesucher und verweisen auf ihre erstaunlichen Fähigkeiten: Die von Ottmar Hörl gruppierten Rabenskulpturen verfügen nämlich in Natura über ein enormes sprachliches Talent. So kennt der Kolkrabe mehr als achtzig verschiedene Rufe. Das individuelle Zuhören und Antworten geht bei Raben sogar so weit, dass der Vogel Kirchenglocken, Rasenmäher oder klingelnde Mobiltelefone imitiert. Ein amerikanischer Rabenforscher im Olympic National Parc erlebte Raben, die das Gurgeln der Toilettenspülung auf dem Campingplatz perfekt nachahmen konnten.
Schwarze und weiße Raben. Das deutet auf die Ambivalenz in der Wahrnehmung dieses Vogels. Und dennoch übersieht man angesichts der harmonischen Einbindung in die grüne Parklandschaft leicht diesen polarisierenden Aspekt des Rabenthemas. Gegen das unkritische „Konsumieren“ des Kunstgenusses hat Hörl während der Landpartie eine Sperre eingebaut: auf künstlichen Inseln im Schlossgraben hat er farbige Raben platziert. Sie bilden einen provokativen Kontrapunkt zu den harmonischen, ins Parkgrün eingebetteten schwarzen und weißen Raben. Und sie verweisen in ihrer „unnatürlichen“ Farbigkeit darauf, dass hier kein bloßes Abbild der Natur gemeint ist, sondern dass es sich um „Kunst-Stoff“ handelt.
Der Mit-Initiator des Hörl-Projekts, Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe, muss sich in einer solch inhaltlich wertvollen Kunstinstallation unweigerlich wohl fühlen: Auf den Schultern des germanischen Gottes Odin sitzen zwei Raben, Hugin, der Gedanke, und Munin, das Gedächtnis (die Erinnerung). Sie schlagen mit den Flügeln und raunen Odin ins Ohr, was sie gesehen und gehört haben. Denn alle Morgen sendet der Gott die beiden Vögel aus, um die Welt für ihn zu durchforschen. Darum weiß er, was den Menschen wichtig ist.
Das Kunstwerk ist noch bis 1. Juli in Bückeburg zu sehen (Inzwischen verlängert bis September!). Und wer einen der Bückeburger Raben für 60 Euro erwirbt, unterstützt einen guten Zweck: Der Reinerlös des Verkaufspreises geht an die Hilfsaktion für Jungen und Mädchen in Bulgarien „Kinder in Not“, deren Schirmherr Fürst Alexander ist, sowie an die von Fürstin Benita geförderte Elisabeth-von-Senden-Stiftung zur Unterstützung krebskranker Frauen.

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