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03.06.05 – LANDSCHAFT MIT RABEN - und der (kunst-)historische Kontext

Ottmar Hörls Kunstwerk im Schlosspark Bückeburg bezieht sich auf das Bild des Raben in Mythologie und Kunst …

In der römischen Mythologie war der Rabe einst weiß wie ein Schwan und galt als Bote des Sonnenkönigs Apollo. Eines Tages aber erzählte ein Rabe, dass Coronis, eine thessalinische Nymphe, welche Apollo leidenschaftlich liebte, nicht treu sei. Darauf erschoss dieser die Nymphe mit einem Pfeil. Aber er hasste den Boten so sehr, dass er sein Gefieder schwarz wie Kohle werden ließ.

Zu Zeiten des römischen Kaisers Tiberius hatte ein junger Rabe in einer Schuhmacherwerkstatt Sprechen gelernt. Plinius berichtet davon, dass der Rabe jeden Morgen zum Forum flog, um dem Kaiser seine Referenz zu erweisen. Als ein jähzorniger Nachbar den Raben erschlug, lynchte das Volk von Rom den Rabenmörder. Der Vogel aber wurde am 28. März 35 (n.Ch.) mit einem königlichen Leichenbegräbnis geehrt!

Nach der Sage sitzen auf den Schultern des germanischen Gottes Odin zwei Raben, Hugin, der Gedanke, und Munin, das Gedächtnis (die Erinnerung). Sie schlagen mit den Flügeln und raunen Odin ins Ohr, was sie gesehen und gehört haben. Denn alle Morgen sendet der Gott die beiden Vögel aus, um die Welt für ihn zu durchforschen. Darum weiß er, was den Menschen wichtig ist.

Bekannt ist auch, dass die Wikinger im 9. Jahrhundert Raben an Bord hatten, um ihnen Land anzuzeigen. Selbst Noah ließ als erstes einen Raben ausfliegen. Und Gott selbst befahl den Raben, den Propheten Elias am Bach Krith mit Nahrung zu versorgen: "Und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch des Morgens und des Abends" (1. Kön. 17.6). Der Bischof von Antiochia (der Heilige Erasmus) verbrachte sieben Jahre im Libanon und wurde ebenso von einem Raben mit Nahrung versorgt. Der heilige Meinard wurde als Mönch und Einsiedler 861 von zwei Räubern erschlagen. Zwei Raben, welche er aufgezogen und ernährt hatte, verfolgten die Mörder und veranlassten ihre Gefangennahme.

Im britischen Empire galten die Raben als Garanten staatlicher Kontinuität: Eine Sage aus dem 17. Jahrhundert berichtet, dass das britische Commonwealth untergeht, wenn keine Raben mehr rund um den Londoner Tower zu sehen sind ... und so werden sie denn auch heute noch sorgsam umhegt.

Für die Indianer der nordwestamerikanischen Pazifikküste ist der Rabe der Weltschöpfer: Er hängte Sonne, Mond und die Sterne an das Firmament, er füllte das Meer mit Fischen, setzte Lachse in die Flüsse, alles Wild und alles Essbare ins Land. Der Rabe wies den Flüssen, Seen, Bergen und den großen Fichten, Tannen, Zypressen und Lebensbäumen ihren richtigen Ort. Er bevölkerte die Erde mit Menschen und gab ihnen Feuer.

Hörls Installationstitel "Landschaft mit Raben" erinnert an bekannte klassische Kunstwerke – wie Vincent van Goghs 1890 entstandenes Werk "Getreidefeld mit Raben", ausgestellt im Amsterdamer Stedelijk Museum, oder an Caspar David Friedrichs im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg befindliches Bild "Schneehügel mit Raben".

Die Bückeburger Raben befinden sich also in guter (kunst-)historischer Gesellschaft!


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